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Diskussion / Vortrag
Mit Yayi Bayam Diouf
Donnerstag, 18.10.2012 | 18:00 Uhr

Universität Bonn, Anglistisches Seminar, Hörsaal XVII, Bonn
Regina-Pacis-Weg 5
53113 Bonn

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Empowerment-Strategien westafrikanischer Frauen in der Diaspora und im Herkunftsland.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW organisierte gemeinsam mit lokalen Akteur_innen eine Veranstaltungsrundreise mit der migrationspolitisch engagierten Frauenrechtsaktivistin Yayi Bayam Diouf aus Senegal. Bericht von Daniela Glagla, Vorstand RLS-NRW.

Veranstaltungsrundreise mit der senegalesischen Frauenrechtsaktivistin Yayi Bayam Diouf
Wie ist die Situation von westafrikanischen Geflüchteten und ihren Familien im Herkunftsland und was kann daraus für den europäischen Diskurs über Migrationspolitik abgeleitet werden? Dieser Frage wollte die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW auf den Grund gehen und hat Yayi Bayam Diouf zu einer Vortragsrundreise zum Thema Migration und Empowerment-Strategien westafrikanischer Frauen eingeladen, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Rheinland Pfalz und dem Auslandsbüro der Stiftung in Dakar.
Eine legale Einwanderung von Westafrika nach Europa ist kaum möglich und es sterben jedes Jahr tausende Menschen bei dem Versuch, auf dem Bootsweg nach Europa zu gelangen.
Auch Yayi Bayam Diouf aus Thiaroye, einem Küstenort in der Nähe von Dakar, hat so ihren Sohn verloren, der senegalesischen Flüchtlingen mit seinem Boot bei der Reise auf die Kanaren helfen wollte – und dabei ertrank. Ende Oktober 2012 besuchte Yayi Bayam Diouf Bonn, Koblenz, Köln, Mülheim und Bochum und berichtete von ihren Erfahrungen und ihrer Organisation. Die Trauer um ihren eigenen Sohn teilt Frau Diouf mit vielen Müttern im Senegal.
Warum also begeben sich dennoch jedes Jahr etliche Menschen, überwiegend junge Männer, auf diese gefährliche Reise? Die Antwort kann neben der großen Armut und der Perspektivlosigkeit, die in den meisten afrikanischen Gesellschaften herrscht, auch in den gesellschaftlichen Strukturen gesucht werden. Vorstellungen von Status und Ehre spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gelingt einem jungen Mann nämlich die Auswanderung und hat er das Glück in Europa Arbeit zu finden, so kann er durch Rücküberweisungen an seine Familie diese im Heimatland ernähren und das Ansehen seiner Familie steigern. Gelingt es ihm jedoch nicht, so wird in den meisten Fällen seine Mutter für die missliche Lage der Familie verantwortlich gemacht und gesellschaftlich diskreditiert. Gründe für diese Diskriminierung liegen in der patriarchal organisierten Gesellschaftsform und der daraus resultierenden benachteiligten Stellung der Frauen, die durch die weit verbreitete Polygamie im Senegal noch verstärkt wird. Dies führt aber auch dazu, dass sich die Formen der Abhängigkeit von Migration stetig fortsetzen.
Anstatt sich ihrem vermeintlichen Schicksal zu ergeben, gründete Yayi Bayam Diouf kurze Zeit nach dem Tod ihres Sohnes die Organisation COFLEC (Collectif des Femmes pour la lutte contre l’emigration clandestine au Sénégal), einen Zusammenschluss von Frauen zum Kampf gegen die illegale Auswanderung. Dieser Ansatz ist nicht mit einer Verhinderung von Auswanderung schlechthin zu verwechseln, denn im Gegensatz zu rechten Politikerinnen und Politikern in Europa ist Frau Diouf sehr wohl an Migration gen Europa interessiert. Ihr geht es vielmehr darum, die Ursachen vor Ort anzugehen. Da die illegale Migration die Gesellschaft mehr und mehr zerstört und häufig mehr Armut erzeugt als beseitigt, stellt sie ihr einen progressiven und zukunftsfähigen Ansatz entgegen.
Wenn die Frauen bei COFLEC Mitglied werden, arbeiten sie nicht mehr dafür, die Flucht ihres bestausgebildetsten Sohnes zu finanzieren. Sie zahlen ihr Eingespartes an die Organisation und schaffen damit Perspektiven: COFLEC hat eine Schule gegründet, an der ausnahmsweise mehr Mädchen als Jungen unterrichtet werden, hat Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Frauen im handwerklichen Bereich geschaffen. Außerdem wird viel Aufklärungsarbeit geleistet. Denn ein Weg
der Flucht auf den winzigen Fischereibooten eine Alternative entgegenzustellen, ist den Mythos vom schnellen Geld und Luxus in Europa zu entkräften.
Yayi Bayam Diouf selber war mehrere Male in Europa und kennt die Realität der Migrantinnen und Migranten die es „geschafft haben“: Sie leben oftmals unter prekären Bedingungen und haben mit gewaltigen Problemen zu kämpfen. Währenddessen erwarten die zurückgelassenen Familien Unterhaltszahlungen von ihnen. Zudem sind sie häufig Rassismus und ständig drohender Abschiebung ausgesetzt.
Es ist daher wichtig die globalen Verstrickungen von Migration genau zu betrachten und in alle Richtungen zu verfolgen: Eine direkte Bedrohung für die Lebensperspektiven im Senegal stellt auch die EU selbst dar. Durch Fischereiabkommen mit den westafrikanischen Staaten wird den einheimischen Fischern die Lebensgrundlage entzogen. Auf die Nachfrage, welche Rolle Frontex bei der Eindämmung von „illegaler“ Migration spielt, weiß Yayi Bayam Diouf sofort zu antworten: Das Geld, das für Frontex und die Abschottungspolitik verschwendet wird, sollte lieber für die Ausweitung der Möglichkeiten von legaler Migration und für die Schaffung von Perspektiven in Westafrika eingesetzt werden. Zum Beweis für die Willkür der Einreisebehörden zückt Frau Diouf ihren Reisepass mit zahlreichen Visa: Warum hat man ihr vor Kurzem die Einreise nach Frankreich nicht erteilt, obwohl sie zuvor auf Einladung von Ségolène Royal problemlos einreisen konnte?
Bericht von Daniela Glagla, Vorstand RLS-NRW.

Weitere Termine waren:
19.10.2012 Koblenz
20.10.2012 Köln
23.10.2012 Mülheim a. d. Ruhr
24.10.2012 Bochum

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