26.11.2011 | 13:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Linkes Zentrum, Düsseldorf
Mit Friederike Habermann, Tove Soiland und Heinz-Jürgen Voß
Queer-feministische Kapitalismuskritik
Workshops und Diskussion mit Friederike Habermann, Tove Soiland und Heinz-Jürgen Voß
In drei Workshops mit anschließender Diskussion möchten wir den
aktuellen Problemen neoliberalen Wirtschaftens auf den Grund gehen und
u.a. fragen: Welche Probleme werden durch kapitalistisches Handeln
aufgeworfen? Inwieweit werden Geschlechterstereotype reproduziert? Wie
können wir gesamtgesellschaftlich bestehenden Ungleichheiten begegnen?
Mit Hilfe (queer-) feministischer Ideen möchten wir
Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die effektiv und nachhaltig soziale
Veränderungen bewirken können. Vor allem sollen bestehende Theorien auf
ihre Praxistauglichkeit hin geprüft werden.
Das Linke Zentrum ist nicht rollstuhlgerecht: Es müssen 3 Stufen überwunden werden - die Veranstalter_innen unterstützen!
Eine Kinderbetreuung ist gewährleistet: Bitte unbedingt bereits zu Veranstaltungsbeginn direkt vor Ort Bescheid geben, wer die Betreuung nutzen möchte.
Referent_innen und Inhalt der Workshops
Friederike Habermann
Kapitalismus und Sexismus sind – wie auch Rassismus und jedes andere Herrschaftsverhältnis – über unsere Identitäten miteinander verwoben, denn uns gibt es nur als Menschen mit bestimmtem Geschlecht, Stellung im ökonomischen System etc. Diese Zuweisungen sind historisch entstanden im Ringen um Hegemonie – denn jedes Herrschaftsverhältnis muss eine eigene, zur Hegemonie strebende Identität(skategorie) konstruieren gegenüber den nicht hieran Beteiligten (sonst ließe sich diese auf Privilegien beruhende Trennung weder denken noch durchführen). Umgekehrt lässt sich Emanzipation nur denken, wenn Menschen nicht mehr gemäß solchen Zuordnungen unterliegen.
Das bedeutet aber nicht, so zu tun, als sei dies schon erreicht: Solange Menschen als Frauen unterdrückt werden, macht es Sinn, diese Kategorie in einem strategischen Sinn zu verwenden. Wo der Kampf um die Emanzipation von beispielsweise weißen Mittelklassefrauen in Gefahr steht, neue Hegemonien auszuprägen – zum Beispiel bei der Verschiebung von der Zuständigkeit für Reproduktionsarbeiten auf migrantisierte Menschen – müssen auch hier diese Kategorien benennbar sein. Dabei ist es ebenso ein Irrglaube, diese Verhältnisse seien durch individuelles Handeln völlig überwindbar, wie, das persönliche Handeln als ´von Strukturen bestimmt´ für irrelevant zu erklären. Wir können uns mit unseren – geschlechtlichen oder ökonomischen – Identitäten desidentifizieren und nach ´dissidenten Praktiken´ suchen, müssen dabei aber auch den uns prägenden und von uns reproduzierten materiellen Kontext queeren.
Tove Soiland
Der Workshop beleuchtet kritisch den Übergang von Feminismus zu queer und frage nach den theoretischen Hintergründen, Absichten und realen Wirkungen dieser Verschiebung. In meinem Einleitungsreferat werde ich die These vertreten, dass die gegenwärtigen neoliberalen Restrukturierungen die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern massiv verschärften wird, dass diese Ungleichheit jedoch nicht mehr über Geschlechterstereotypen vermittelt wird, sondern paradoxerweise über die De-thematisierung von Geschlecht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die die queer-Theorie leitende Annahme eines normativen Zwangs zur Heterosexualität tatsächlich der adäquate Zugang zum Verständnis der gegenwärtigen Umbrüche in den Geschlechterverhältnissen ist. Oder ist es nicht umgekehrt so, dass das queere Anliegen einer Pluralisierung geschlechtlicher Positionen mit seiner Vorstellung von der Verhandelbarkeit des eigenen ,genders' in eine ungewollte Passfähigkeit zu den Erfordernissen postfordistischer Produktion geraten ist. Die queere Kritik am Feminismus, so die zur Diskussion gestellte These, verhindert die Artikulation eines feministischen Kollektivs und entnennt so die Anliegen von Frauen und ihre nach wie vor bestehende kollektive Betroffenheitslage.
Heinz-Jürgen Voß
„Geschlecht“ als Kategorie zeigte sich historisch produktiv für kapitalistische Produktionsweise: 1) Die weiblich geprägten gesellschaftlichen Bereiche konnten „entwertet“ werden – und wurden nicht Bestandteil von Erwerbsarbeit. 2) Löhne konnten zwischen den Geschlechtern unterschiedlich gestaltet werden – die Lohndifferenz wurde über Argumente (vermeintlicher) „natürlicher Differenz“ als gerecht hingestellt. 3) In „Krisenzeiten“ konnten Frauen mit der Ideologie „Frauen an den Herd“ aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden. 4) Gleichzeitig bildeten und bilden Geschlecht und Sexualität – zunehmend – Ziele kapitalistischer Produktion.
Mit Zusammenbruch sozialistischer Staatlichkeit seit Ende der 1980er Jahre sind wesentliche Unterstützungsstrukturen für die Ausarbeitung kapitalismuskritischer Positionen verloren gegangen – auch in der BRD. Das hatte und hat auch Auswirkungen für feministische Kapitalismuskritik. Hieraus gilt es Auswege zu entwickeln – und dabei inhaltlich auch der Aktualisierung (Vervielfältigung und Individualisierung) von Lebensweisen, als auch der Flexibilisierung (und Individualisierung) von kapitalistischen Produktionsverhältnissen Rechnung zu tragen. Diese machen neue kapitalismuskritische Antworten möglich und erforderlich und stehen diesen keineswegs im Wege.
Ausgehend von einer Analyse von Geschlecht und kapitalistischer Produktionsweise und der derzeitigen Aktualisierung von Lebensweisen und kapitalistischen Produktionsverhältnissen werden Ansätze für queer-feministische Kapitalismuskritik diskutiert.
Kontakt
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Email: post@rls-nrw.de
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Besonderheiten
In Kooperation mit kom!ma – Verein für Frauenkommunikation in Düsseldorf, dem Rosa-Luxemburg-Club Düsseldorf, see red! – Linke Initiative Düsseldorf [Antifa KOK/Interventionistische Linke], den Frauenreferaten der FH und der Uni Düsseldorf





